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Ich plane zu heiraten. Okay, das ist jetzt nicht unbedingt eine Nachricht, auf die die Welt gewartet hat, aber es ist die Nachricht, die meine Welt ins Schaukeln bringt. Dazu muss man wissen, dass ich mir unter einer Hochzeit immer etwas ganz bestimmtes vorgestellt habe. Ich habe davon noch die Vorstellung, die ich mit ungefähr 16 Jahren hatte: Die Braut – also ich – im romantischen Empirekleid, mit Blumen im goldenen Haar, schmachtet ihren Bräutigam an, der natürlich wie ein junger Johnny Depp aussieht und mit seinem Eheversprechen alle Anwesenden zu Tränen rührt. Alle Anwesende sind in diesem Fall nur ganz enge Freunde und nicht die untereinander zerstrittene Mischpoke.
Natürlich gibt es eine wunderbare Zeremonie an einem See. Mit Picknick. Und am nächsten Morgen fahren wir dann zu zweit mit unserem VW-Bus in die Flitterwochen ans Meer. Südfrankreich. Wir sprechen natürlich fließend französisch. Wegen der vielen französischen Filme, die wir sehen.
Leider ist das so aber nicht möglich. Vier wichtige Punkte stehen zwischen mir und meiner Teenager-Traumhochzeit:

  1. Mein Haar war noch nie golden, sondern Rotblond.
  2. Ich habe keinen VW-Bus und ich war nie mit jemanden zusammen, der einen hatte.
  3. Der junge Johnny Depp, war auch schon alt, als ich jung war.
  4. Die meisten Filme, die ich sehe sind auf englisch und mein französisch reicht gerade für eine Tasse Café.

Daran sieht man, die Zeit spielt einem mitunter Streiche und nicht alles verläuft so, wie man es seinem Tagebuch als Lebensplan diktierte. Man geht Umwege, nimmt falsche Abzweigungen, landet ein paar mal in unsicheren Armen und benötigt viel Glück, um dann doch dahin zu kommen, wo immer hin wollte. Es ist vielleicht mit Verspätung, aber ich hatte dieses Glück – ich bin zuhause. Der Mann, denn ich heiraten werde, hat rein gar nichts von einem jungen oder alten Johnny Depp. Aber das ist gut so. Er hat all mein Liebe und ich seine. Einen besseren als ihn, gibt es für mich nicht. Und das ist doch alles was zählt.

Doch ich schweife vom Thema ab. Die kleine Sache, die alles veränderte: Der Antrag.
Natürlich habe ich auch davon eine gewisse Vorstellung. Im Grunde bin ich nicht konservativ. Aber eine Sache war für mich immer wichtig. Nämlich, dass er die Frage stellen würde. Natürlich erst nachdem er meinen Vater um Erlaubnis gebeten hatte. Das habe ich mir immer so gewünscht. Wenn schon der VW-Bus nicht geht, dann doch wenigstens das. Für den Antrag selbst, hatte ich auch immer etwas klassisches im Sinn. Es musste jetzt nicht das obligatorische Abendessen mit Ring im Champangerglas sein – das ist doch auch irgendwie eklig, oder nicht? – oder eine Fahrt im Heißluftballon – Panik(!). Aber irgendwas schönes, romantisches, etwas das zeigt: „Ich habe mir Gedanken gemacht.“
Dabei ist der Ring ganz wichtig. Wäre ich der Mann und hätte ich ganz furchtbar viel Geld, würde ich mich für den klassischen Tiffany Setting von Tiffany & Co entscheiden. Er ist einfach wunderschön und sagt alles aus. Da ich aber weder der Mann, noch reich bin, muss ich ihn vergessen. Außerdem ist der Gedanke irgendwie befremdlich, das man den Großteil seines Hochzeitsbudgets bereits am Finger trägt. Der Ring mag zwar perfekt und lupenrein sein, aber damit ist man schon mittendrin im Dilemma – nichts und niemand ist perfekt. Zumindest ich nicht. Wäre ja auch stinklangweilig. Das Wichtige am Verlobungsring ist, dass er zu der angehenden Braut passt. Ein Stein, kein Stein, Gold, Silber, Plastik, Holz, egal was – es muss nur zu ihr passen. Was nützt der teuerste Ring, wenn sie gar keinen Schmuck trägt? Dann muss eine andere Alternative her. Vielleicht ein gemeinsames Tattoo. Ich persönlich halte davon ja nichts, denn falls man sich doch trennen sollte, hat man den Salat. Aber es muss ja auch nicht gleich der Name des Liebsten sein, möglich wäre auch das gleiche Motiv – das ist dann im Erstfall nicht ganz so schlimm. Man kann auch ganz pragmatisch etwas für die gemeinsame Wohnung kaufen („Das ist unser Verlobungstoaster.“), eine kleine Wochenendreise planen, einen Baum pflanzen oder auf all das verzichten und sich einfach an seiner Liebe erfreuen. Das ist das doch das Schöne an der Liebe. Paar A hat ganz andere Bedürfnisse als Paar B. Wer will schon eine universelle Bedienungsanleitung?
Da ich also Angst vor Nadeln habe, keinen grünen Daumen besitze und mein Verlobter und ich auch noch immer auf unsere jeweiligen Appartements bestehen, bekomme ich einen Ring. Ich habe immer gesagt: „Den einzigen Ring, den ich einmal trage, ist der, den der Mann mir schenkt, den ich einmal heiraten werde.“ Nun kann man mich für eine verkappte Romantikerin halten, aber ich muss gestehen, dass das ganz praktische Gründe hat. Ich habe so dünne Finger, dass die einzigen Ringe, die mir passen, die aus der Kinderabteilung von Bijou Brigitte sind. Da ich echt keine Lust darauf habe, mir Modeschmuck-Ringe enger machen zu lassen, habe ich beschlossen zu warten und mir dafür im Laufe der Zeit eine Armee an Ohrringen zugelegt (dabei fällt mir auf, dass Verlobungs-Ohrringe auch ganz nett wären).
Mein bärtiger Freund wusste also, wie mich mir den Antrag vorstelle. Zuerst meinen Vater fragen, dann einen schönen Ring besorgen (irgendwas funkelndes, denn das mag ich), eine schöne Gelegenheit abwarten (ein Picknick während unserer Urlaubsreise nach Israel wäre ideal) und dann die Frage stellen. Die Welt würde sich aufhören zu drehen, mein Herz viermal so laut schlagen. Alles in Zeitlupe. Ich würde „Ja.“ flüstern, wir würden uns küssen, Feuerwerk über meinem Kopf, alles wäre wie im Film. Spitze, oder? Tja, mein Antrag war nicht ganz so. Noch nicht mal fast. Der Mann, den ich heiraten werde, hatte weder einen Plan noch einen Ring. Ich war gerade arbeiten, er kam vorbei. Er sah mich an, fragte, wann wir endlich heiraten würden, ich sagte ihm, dass ich solche Scherze nicht möge und er erwiderte: „Aber ich meine es Ernst.“ Da blieb meine Welt stehen, während sich alles um mich herum weiter drehte. Ich hört mich selbst von weit weg „Bald.“ sagen und er küsste mich. Obwohl er in meiner Vorstellung immer anders war, war dieser Antrag dennoch genau richtig. Für mich. Spontan, wunderbar, aufrichtig, von Herzen – obwohl der Ring da noch fehlte. Mein Vater hat von dem Antrag erst 5 Minuten später am Telefon erfahren. Von mir. Aber er hat sich schlimm gefreut. Meinen Ring durfte ich später selbst aussuchen. Er sieht fast aus wie der von Tiffany. Nur halb so perfekt. So wie ich. Aber der Mann, den ich heiraten werde, hat mir versprochen, dass wir bald nach New York fliegen und da darf ich ihn gravieren lassen. Wie in ,Breakfast at Tiffany‘s‘. Aber erst wird geheiratet.

Noch auf der Suche nach dem passenden Ring?

Der Ring der Ringe von Tiffany’s

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Zirkonia-Ring von Brigitte-Engels über DaWanda

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Und natürlich noch der Link zu dem schönsten Antrag überhaupt:

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